Claude Skills: Wie man einer KI die Arbeitsweise eines Unternehmens beibringt
Ein Claude Skill ist ein Ordner mit einer Datei namens SKILL.md: Anweisungen, wie eine Aufgabe in Ihrem Haus erledigt wird, dazu bei Bedarf Vorlagen, Nachschlagedateien und Skripte. Claude lädt den Skill erst, wenn eine Aufgabe dazu passt. So schreiben Sie einmal auf, wie Ihr Unternehmen ein Angebot aufbaut oder einen Prüfbericht kontrolliert, statt es in jedem Chat neu zu erklären. Die eigentliche Arbeit liegt danach nicht im Schreiben, sondern in der Frage, wer Skills freigibt, pflegt und verantwortet.
Was ist ein Claude Skill?
Anthropic beschreibt Skills als Ordner mit Anweisungen, Skripten und Ressourcen, die Claude dynamisch lädt, und vergleicht sie mit einer Einarbeitungsmappe für neue Mitarbeitende. Der Vergleich trifft es gut: Ein Skill sagt nicht, was ein Angebot ist. Er sagt, wie Ihr Haus Angebote schreibt, welche Angaben Pflicht sind und wann der Vertrieb freigeben muss.
Technisch ist das unspektakulär. Die Datei SKILL.md beginnt mit einem Kopf aus Name und Beschreibung, danach folgt der Text in normalem Markdown. Daneben können Unterordner liegen, etwa mit Vorlagen oder kleinen Prüfskripten. Das Besondere ist, wann Claude was davon liest. Laut Anthropic-Dokumentation geschieht das in drei Stufen:
- Name und Beschreibung sind immer geladen, rund 100 Token je Skill. Daran entscheidet Claude, ob ein Skill zur Aufgabe passt.
- Der Inhalt von SKILL.md wird erst gelesen, wenn eine Aufgabe passt. Anthropic empfiehlt, ihn unter 5.000 Token zu halten.
- Weitere Dateien werden nur gelesen, wenn sie gebraucht werden. Skripte werden ausgeführt, und nur ihr Ergebnis landet im Kontext.
Für Sie heißt das: Zwanzig Skills kosten im Alltag kaum etwas, solange sie nicht gebraucht werden. Und eine Beschreibung wie "Hilft bei Angeboten" ist zu wenig. Claude wählt den Skill über diesen einen Satz aus.
Wo Skills laufen
Skills gibt es in der Claude-App für alle Tarife, sofern die Code-Ausführung aktiviert ist, in Claude Code und über die API (Claude-Hilfe). Seit Dezember 2025 hat Anthropic das Format als offenen Standard veröffentlicht. Die Spezifikation auf agentskills.io ist kurz: ein Ordner, eine SKILL.md mit Pflichtfeldern name und description, optional scripts/, references/ und assets/. Für ein Unternehmen ist das der wichtigste Punkt: Ihr Wissen liegt als lesbarer Text in einem Ordner und ist nicht an ein einzelnes Produkt gebunden.
Skill, Prompt, Anweisung, MCP oder Plugin: was wofür?
Die Begriffe werden oft vermischt. Die Unterschiede sind aber klar, sobald man fragt, wann etwas geladen wird und was es Claude gibt.
| Baustein | Was es ist | Wann es wirkt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Prompt | Anweisung im Chat | nur in diesem Gespräch | einmalige Aufgabe |
| Eigene Anweisungen, CLAUDE.md | feste Regeln und Fakten | in jedem Gespräch | Tonfall, Grundregeln |
| Skill | Ordner mit Ablauf, Vorlagen, Skripten | wenn die Aufgabe passt | wiederkehrender Ablauf |
| MCP-Server | Schnittstelle zu einem System | Werkzeuge stehen bereit | ERP lesen, Ticket anlegen |
| Plugin | Paket aus Skills, Hooks, MCP-Servern | solange installiert | an ein Team verteilen |
Die Claude-Code-Dokumentation nennt eine gute Faustregel: Legen Sie einen Skill an, wenn Sie dieselben Anweisungen, Checklisten oder mehrstufigen Abläufe immer wieder in den Chat kopieren, oder wenn ein Abschnitt Ihrer festen Anweisungen von einer Tatsache zu einem Verfahren geworden ist. "Wir siezen Kunden" gehört in die festen Anweisungen. "So prüfen wir einen 8D-Bericht" ist ein Skill.
Der häufigste Denkfehler betrifft MCP. Ein Skill weiß, wie man ein Angebot aufbaut, aber er kennt Ihre Preise nicht. Die kommen aus dem ERP, und dafür braucht Claude einen Zugang, etwa über einen MCP-Server. Skills und MCP ergänzen sich: Der Skill beschreibt den Ablauf, MCP liefert die Werkzeuge. Wie MCP funktioniert, erklären wir in MCP einfach erklärt. Plugins wiederum sind nur die Verpackung, mit der man Skills, MCP-Server und weitere Teile gemeinsam an ein Team verteilt; mehr dazu im Beitrag über Claude Code Mods.
Drei Beispiele aus dem Unternehmensalltag
Die folgenden Skills sind Beispiele, wie wir sie mit Fachabteilungen aufsetzen würden. Sie zeigen, was in einen Skill gehört und was nicht.
Angebotsvorlage
Ein Skill angebot-erstellen enthält den Aufbau Ihres Angebots, Pflichtangaben wie Gültigkeit, Lieferbedingungen und Zahlungsziel, Ihre Textbausteine für Standardpositionen und die Regel, ab welchem Rabatt der Vertrieb freigibt. Im Ordner liegt die Word-Vorlage, dazu ein kleines Skript, das prüft, ob alle Pflichtfelder gefüllt sind. Was nicht hineingehört: Preise und Kundenkonditionen. Die ändern sich und gehören ins ERP. Wer Angebote aus Anfragen automatisch vorbereiten will, braucht dafür einen Agenten mit Zugriff auf Artikelstamm und Konditionen, wie in unserem Anwendungsfall Preisanfragen in Angebote verwandeln.
Qualitätscheckliste
Ein Skill 8d-bericht-pruefen enthält Ihre Prüfliste für Reklamationsberichte: Ist das Problem beschrieben, ist eine Sofortmaßnahme genannt, ist die Ursache belegt, gibt es eine Wirksamkeitsprüfung mit Termin und Verantwortlichem? Claude liefert eine Tabelle mit "erfüllt", "fehlt" oder "unklar" und nennt jeweils die Stelle im Bericht. Die Bewertung bleibt beim Qualitätsmanagement. Der Gewinn liegt darin, dass jede Prüfung dieselben Punkte abfragt, egal wer sie anstößt.
Styleguide
Ein Skill schreibregeln hält fest, wie Ihr Haus schreibt: Sie-Form, Produktnamen in der richtigen Schreibweise, Fachbegriffe, die Sie verwenden, und solche, die Sie vermeiden, Vorgaben für Mails und Präsentationen. Anthropic nennt Markenrichtlinien selbst als typischen Anwendungsfall. So sieht der Anfang eines solchen Skills aus:
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name: schreibregeln
description: Schreibregeln der Firma für Mails, Angebote und Präsentationen an Kunden. Verwenden, wenn ein Text nach außen geht.
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# Schreibregeln
- Kunden immer siezen, kurze Sätze, keine Anglizismen, wo es ein deutsches Wort gibt.
- Produktnamen exakt so schreiben wie in referenz/produktnamen.md.
- Keine Zusagen zu Lieferterminen; dafür auf den Innendienst verweisen.
Das ist alles. Wer eine gute Arbeitsanweisung schreiben kann, kann einen Skill schreiben.
Wer schreibt, prüft und versioniert Skills?
Ein Skill ist schnell geschrieben. Gefährlich wird er, wenn niemand weiß, welcher Stand gilt. Wir empfehlen drei Rollen je Skill:
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Fachverantwortliche | schreibt den Inhalt, hält ihn aktuell, testet an echten Fällen |
| KI- oder IT-Verantwortliche | prüft Skripte, Netzwerkzugriffe und Datenschutz vor der Freigabe |
| Freigabe | entscheidet, ob ein Skill für alle verteilt wird |
Dazu gehören einige Regeln, die sich aus der Funktionsweise ergeben:
- Ein Ort für die gültige Fassung. Skills sind Dateien. Legen Sie sie in ein Repository oder zumindest einen zentralen Ordner mit Änderungshistorie.
- Versionen bewusst hochzählen. In Claude Code verteilen Sie Skills am besten als Plugin. Ist dort eine Version gesetzt, bekommen Nutzer Aktualisierungen nur, wenn Sie die Versionsnummer erhöhen (Claude-Code-Dokumentation).
- Wissen, wann eine Änderung alle erreicht. In den Team- und Enterprise-Tarifen der Claude-App können Inhaber Skills für die ganze Organisation bereitstellen. Geteilte Skills sind schreibgeschützt, und Empfänger erhalten Änderungen automatisch (Claude-Hilfe). Eine Korrektur wirkt also sofort bei allen. Prüfen Sie deshalb vor jeder Änderung.
- Mit echten Fällen testen. Anthropic empfiehlt, mit einer Bewertung an typischen Aufgaben zu beginnen. Praktisch heißt das: fünf bis zehn echte Fälle mit bekanntem Ergebnis, nach jeder Änderung erneut durchspielen.
Risiken: Skills können Code ausführen
Ein Skill ist nicht nur Text. Er kann Skripte mitbringen, und Claude führt sie aus. Anthropic warnt deshalb ausdrücklich, dass bösartige Skills Schwachstellen einführen oder Claude dazu bringen können, Daten abfließen zu lassen, und empfiehlt, Skills nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu installieren.
Wie groß das Risiko ist, hängt davon ab, wo der Skill läuft. Über die API laufen Skills in einem abgeschotteten Container ohne Netzwerkzugang. In Claude Code auf dem Rechner eines Mitarbeiters gilt dagegen: Was ein Plugin ausführt, führt es mit den Rechten des Nutzers aus. Ein Skript aus einem fremden Skill kann dort also lesen, was der Nutzer lesen kann.
Dazu kommt ein zweites, leiseres Risiko: Anweisungen, die in Nachschlagedateien versteckt sind. Ein Skill kann Claude anweisen, Inhalte an eine externe Adresse zu schicken, ohne dass ein Skript beteiligt ist.
Und umgekehrt: Schreiben Sie keine Zugangsdaten, keine personenbezogenen Daten und keine vertraulichen Konditionen in Skills. Ein geteilter Skill ist für jeden lesbar, mit dem er geteilt wurde.
So fangen Sie an
Suchen Sie eine Aufgabe, bei der Kolleginnen und Kollegen heute dieselbe Anleitung immer wieder in den Chat kopieren. Schreiben Sie sie mit der Person auf, die sie am besten erledigt. Testen Sie den Skill an einer Handvoll echter Fälle, benennen Sie eine Verantwortliche und geben Sie ihn dann frei. Nach drei oder vier solcher Skills wissen Sie, welche Regeln Ihr Haus für Skills braucht.
Wir setzen Skills in unserer eigenen Entwicklungsarbeit täglich ein und helfen Teams, ihre Abläufe so aufzuschreiben, dass KI-Werkzeuge sie zuverlässig befolgen, mit Regeln, Schulung und Freigabe. Mehr dazu unter KI-Schulung & Governance. Wenn aus einem Skill ein Agent werden soll, der selbst in Ihren Systemen arbeitet, lesen Sie weiter bei KI-Agenten.