Woran Sie es merken
Für die meisten Abläufe gibt es ein Produkt. Für einige gibt es keines: weil das Geschäft eine Eigenheit hat, weil zwei Systeme sich nicht kennen, oder weil der Vorgang vier Werkzeuge streift, die niemand für ihn vorgesehen hat.
Dann wird die Lücke gefüllt: mit einer Tabelle, einem geteilten Postfach und einer Regel, die eine Person im Kopf hat. Woran Sie es merken: Die Tabelle hat Makros, die nur eine Kollegin versteht. Der Ablauf geht über vier Fenster, und die Reihenfolge steht nirgends. Die Standardsoftware bildet den Sonderfall nicht ab, also gibt es einen Umweg, und den Umweg kennt die Vertretung nicht. Das funktioniert, bis diese Person Urlaub hat.
Standard oder Eigenentwicklung
Die Frage ist nicht, ob eine eigene Anwendung schöner wäre. Die Frage ist, ob es ein Produkt gibt, das den Ablauf zum größten Teil trifft. Wenn ja, ist der Standard die bessere Wahl, und der Rest wird angepasst oder bleibt Handarbeit. Das gilt auch für ein Modul des ERP, das Sie schon haben und nur nicht benutzen. Wir sagen das auch dann, wenn es gegen den Auftrag spricht.
Eine Eigenentwicklung lohnt sich, wenn drei Dinge zusammenkommen: Der Ablauf gehört zum Geschäft und unterscheidet Sie vom Wettbewerb. Er kommt oft vor. Und kein Produkt trifft ihn, oder das Produkt würde Sie zwingen, den Ablauf so zu ändern, dass das Geschäft darunter leidet. Eine Anwendung, die gebaut wird, weil das Produkt zu teuer erscheint, ist meist die teurere Wahl, sobald man Betrieb, Updates und Sicherheit dazurechnet.
Wie wir vorgehen
- Prüfen, ob ein Standard reicht. Produkte, Module des vorhandenen ERP, Low-Code. Erst wenn das verneint ist, wird gebaut.
- Den Ablauf schneiden, bis ein erstes Stück übrig bleibt, das im Alltag benutzbar ist. Nicht die Vision, sondern der Teil, der heute am meisten weh tut.
- Bauen mit den Leuten, die es benutzen. Die Bewertung kommt aus dem Alltag, nicht aus einem Abnahmetermin. Das Stück läuft bei Ihnen im echten Betrieb, und was sich dort zeigt, entscheidet über das nächste.
- In Ihre Systeme verankern, statt daneben zu stellen. Ihre Systeme bleiben, wie sie sind, siehe Integration.
- Tests für das, woran etwas hängt. Nicht für alles. Dokumentation und Übergabe ab dem ersten Tag, nicht am Ende. Der Code gehört Ihnen.
- Betrieb, so lange Sie ihn bei uns wollen: Monitoring, Anpassungen und der Abgleich mit neuen Vorschriften wie dem EU AI Act. Oder Übergabe an Ihre IT oder Ihr Systemhaus.
Wo KI hilft, ist sie ein Teil der Anwendung und nicht ihr Zweck. Die meisten dieser Anwendungen bestehen zum größten Teil aus Formularen, Regeln und Schnittstellen, und an zwei Stellen aus einem Modell, das eine Beurteilung übernimmt. Was verbindlich nach außen geht, prüft vorher ein Mensch.
Ein Beispiel: der Schichtplan
Nolte Gebäudereinigung, ein Betrieb in Nordrhein-Westfalen, plant Reinigungskräfte für viele Objekte. Jede Kraft hat Qualifikationen, etwa für Glas oder Maschinen, und manche Objekte verlangen eine Sicherheitsfreigabe des Kunden, die nur bestimmte Personen haben. Dazu kommen Arbeitszeitregeln und der Ausfall, der morgens um sechs gemeldet wird.
Die Schichtplaner am Markt kennen Schichten, aber nicht die Objektbindung und nicht die Ersatzlogik. Also plant die Objektleiterin in Excel, und wer morgens ausfällt, wird per Telefon ersetzt, aus dem Gedächtnis.
Das erste Stück der Anwendung ist nur der Ersatz bei Ausfall, für eine Region. Es liest den Plan und die Zeiterfassung, prüft Qualifikation, Freigabe und Ruhezeit und schlägt der Objektleiterin drei Personen vor, die einspringen können. Sie entscheidet, und die Mitteilung geht raus. Die Planung selbst bleibt vorerst in Excel. Erst wenn der Ersatz im Alltag trägt, folgt das nächste Stück. Und weil Schichtplanung nach § 87 BetrVG mitbestimmt ist, sitzt der Betriebsrat vor dem Bau am Tisch, nicht danach.
Voraussetzungen und Grenzen
Es braucht eine Person im Fachbereich, die Zeit hat, das erste Stück zu benutzen und zurückzumelden. Es braucht eine Entscheidung, wer die Anwendung betreibt: wir, Ihre IT oder Ihr Systemhaus. Und es braucht die Bereitschaft, mit einem kleinen Stück zu leben, bevor das große kommt.
Grenzen: Eine eigene Anwendung muss betrieben werden. Updates, Sicherheit und Anpassungen hören nicht auf, wenn das Projekt endet. Sie ist nicht billiger als ein Standard, der passt. Und sie löst keinen Ablauf, der im Betrieb selbst ungeklärt ist. Eine Anwendung bildet ab, was entschieden wurde.
Sie lohnt sich nicht, wenn ein Produkt den Ablauf trifft. Nicht, wenn der Ablauf selten vorkommt. Und nicht, wenn Sie den Ablauf ohnehin ändern wollen und ein Produkt den besseren Ablauf schon mitbringt.
Abgrenzung zu den Nachbarleistungen
- KI-Agenten und Prozessautomatisierung laufen in Ihren vorhandenen Systemen und brauchen keine eigene Oberfläche. Individualsoftware ist die Antwort, wenn die Oberfläche fehlt.
- Integration: Teil jeder eigenen Anwendung, weil sie in Ihre Systeme schreibt und daraus liest.
- Daten und Analytics: eine Auswertung ist keine Anwendung. Wenn die Frage nur eine Zahl braucht, bauen wir keine Software.
Der nächste Schritt
Ob Ihr Fall eine eigene Anwendung braucht, entscheidet sich in der Potenzialanalyse. Die häufigste Antwort dort lautet, dass ein vorhandenes System es auch kann. Davor steht ein kostenloses Erstgespräch von 30 Minuten. Bringen Sie die Tabelle mit, die nur eine Person versteht.